Frühling in der Stadt
Als ich abends um halb elf aus der U-Bahn komme und die Rolltreppe hochfahre, sehe ich auf der hinabfahrenden Treppe eine Jogger nach oben laufen. Ich lasse mir Zeit und laufe nicht hoch, sondern lasse mich hochtragen. Es gibt verrückte Orte, an denen Sportverrückte trainieren. Natürlich ist der Jogger, in seinem engen und atmungsaktiven Sportdress vor mir oben. Trotzdem kommt es mir so vor, als wäre er wie vom Erdboden verschluckt worden. Kein Schatten, kein Geräusch. Doch als ich zwei Stufen vom Ausgang der Station hinuterlaufe, sehe ich, wie er um die Ecke biegt. Langsam. Da ist die Welt dann wieder zurechtgerückt. Vor einer Kneipe sehe ich bunte Glühlampen hängen, als würde dort schon zum Maitanz aufgespielt. Tatsächlich sitzt auf dem Barhocker, der für die Raucher draußen steht, eine Frau, vor ihr steht, sehr nah, ein Mann. Sie legen die Arme um einander. Ach ja, der Frühling. Jeder hat da so seine Lieblingsbeschäftigung.