Luminale



Der Weg zum Palmengarten ist anstrengend. Ich sitze im Luminale-Express. Es ist voll. Ein Mann stellt sich neben mich. Sein Mitteilungsdrang ist unerschöpflich. Sein Dialekt weist ihn als Nachbarn aus. Das ist mir peinlich. Doch ich habe Glück, er kommt nicht aus meiner Heimatstadt, sondern aus einem Kaff nahe der Nachbarstadt, doch aufgewachsen in Unterfranken. Ich bin erleichtert. Der Fast-Monolog beginnt mit Fruchtbechern, die an Obstständen verkauft werden, ich erfahre, dass er Fahrrad nur bei schönem Wetter fährt, weil es ihm zur Zeit noch zu kalt ist. Er kann sich schlecht Namen merken, ständig überlegt er, wie einige seiner Gruppenteilnehmer heißen. Er hat auch ein Luminale Programm, aber selbstverständlich nicht dabei. Wozu auch, wenn man im Bus fährt. Ich verfluche meine Entscheidung, meine Kopfhörer zuhause gelassen zu haben. Aber ich wollte ja keine Musik hören, sondern nur ein paar Bilder machen. Der Mann hört nicht auf zu sprechen, nun geht es über Hochhäuser, naja, immerhin hat Frankfurt ja ein paar. Da kann auch sein Gegenüber einmal etwas einwerfen und erklärt, dass man das Commerzbankhochhaus als Gruppe einmal im Monat besichtigen kann. Das interessiert ihn nun sehr, auf dem Helaba-Turm war er schon, aber die Commerzbank... Ich bin fast so froh als wir am Palmengarten ankommen, wie der ob des überfüllten Busses, genervte Busfahrer: „Hier steigt Ihr aber alle aus, oder?“ Der war wenigstens witzig.



Doch zurück zur Luminale. Der Palmengarten ist überfüllt von Menschen, die einzelnen Objekte sind schön, es zwitschern die Vögel, ganz andere Laute als die üblichen Vögel in der Stadt. Ein Klangteppich vom Sprachgewirr liegt über dem Park. Unglaublich, was sich die Menschen so zu sagen haben. Die Fotografen, die schöne Bilder machen wollen, haben Fototaschen, Spiegelreflexkameras und vor allem Stative dabei. Aber die vielen anderen, die blitzen was das Zeug hält, aber vielleicht gehört das auch zur Luminale; weiße, gelbe, rote und grüne Lichter leuchten auf, bevor sie ihre Fotos schießen. Meine Fotos mache ich auch nur mit dem Telefon, aber den Blitz habe ich ausgestellt.



Ich komme schon wieder zu spät zu der Vorführung der Feuerschlucker, wie vor zwei Jahren. Ich bummle nur noch durch den Anlagenring und lasse mich überraschen, von den Lichtern, die plötzlich auftauchen oder von der Menschenmenge, über die ich stolpere und dadurch merke, dass da was sein muss. Ich lasse mich einfach treiben. Später auf der Zeil, einige der Obdachlosen haben sich bereits in den Eingängen der Kaufhäuser zum Schlafen hingelegt. Die Kellner stellen die Stühle zusammen. Die Wanderbaustelle auf der Zeil hat den heute zu bearbeitenden Teil abgesperrt. Dazwischen die Luminalebesucher, die die Nacht zum Tage machen und auf der Suche nach Leuchteffekten mit ihren gelb-schwarzen Programmen durch die Stadt laufen. Und endlich erfahre ich, wann die S-Bahn-Station umgebaut wird, als ich müde nach Hause den Bahnsteig entlanglaufe, machen sich zwei Arbeiter an der abgehängten Decke zu schaffen.

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