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Übung aus einer Schreibwerkstatt

„Natürlich bin ich früher da“. Dieser Satz beschäftigte mich seit einer Woche. Als Aufgabe in einer Schreibwerkstatt, an der ich teilnahm, sollte ich eine Geschichte mit diesem Satz beginnen und beenden sollte ich sie mit: "Übrigens habe ich auch keinen erwartet." Als ich das auf meiner Aufgabenliste las, entstand ein Bild in meinem Kopf. Eine Frau feiert, ein Freund will früher kommen, um zu helfen. Am Ende bereitet sie die Feier alleine vor, weil er, mal wieder, wie so oft, zu spät kommt und noch nicht mal einen Strauß Blumen dabei hat. Er ist zerknirscht und sagt, es tut ihm leid. Und sie sagt, übrigens habe ich auch keinen erwartet, und gemeint ist, ein Blumenstrauß. Ist doch ganz einfach. Nur, dass das Dazwischen nicht kommen will. Das Dazwischen klingt wie in einem dieser witzigen Frauenromane. Es geht um Älterwerden, Geschenke bekommen und warum die Erzählerin das boykottiert. Schauerlich, finde ich und höre nach einer halben Seite wieder auf. Also gut, ein anderer Ans...

Inspiration - Affichisten am Main

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Kopfsteinpflaster am Mainufer. Plopp, hinter ihr fällt eines Kokosnuss vom Baum. Sie hat die Spielzeugeisenbahn getroffen. Rote, gelbe und grüne Farbe läuft heraus. Das Himmel-und-Hölle-Spiel verschwindet. Sie hüpft davon, in der Hand den blauen Gummiball. Die Litfasssäule lacht. Das neunte Loch sollte doch zu schaffen sein. Der Golfschläger in ihrer Hand verschwindet. "Warum bin ich nur so durchsichtig?", fragt sie und manifestiert auf dem Hochbunker an der Friedberger Anlage. "Jetzt bin ich doch in der Pfanne gelandet", lacht sie und schwappt über das Eigelb. Der Speck kitzelt in ihrer Nase. Aus der Drehtür kommt ihr zweimal derselbe Mann mit einer Melone auf dem Kopf entgegen. Sie greift sich die Melone, schneidet sie auf und beißt hinein. Sie schmeckt nach Cheddar und Birne. Das war ja klar, denn die Drehtür steht am Eisernen Steg. Sie gräbt ein Loch und verschwindet darin. "Ach, es hätte nicht der Messeturm sein sollen", ruft sie aus, als sie auf da...

Nochmal Dante

Weil's mir so Spaß gemacht hat, mich mit Dante zu beschäftigen und ich auch mal etwas "Herzerfrischendes" machen wollte, habe ich mir auch noch eine Stelle aus dem dritten Teil der göttlichen Komödie ausgesucht, zu dem ich noch etwas schreiben wollte. Hier kommt's: Paradies 3 . Gesang „Und wie von Gläsern, von durchsichtgen, klaren, v on Weihern, welche seicht, doch still und rein, Den Boden unverdunkelt offenbaren, Ein Antlitz widerstrahlt, so schwach und fein, Daß man erkennen würd in größrer Schnelle Auf weißer Stirn der Perle bleichen Schein; So sah ich manch Gesicht an jener Stelle Und war im Gegensatz des Wahns, durch den Einst Lieb entflammt ward zwischen Mann und Quelle.“ Vorsichtig balancierte sie über den kleinen Steg. Der Bach unter ihr plätscherte, das Wasser war sehr klar. Nur ein paar Schritte den Weg entlang und sie spürte die Sonne auf ihren Schultern. Der Weg teilte die Wiese, sie war so hoch, dass ihr das Gras bis zur Hüfte ging. Hie...

Dante und die göttliche Komödie

Dante Alighieri, zum 750. Geburtstag. Dieser liegt 1265 zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Und wir fragten uns in unserer Schreibwerkstatt, wie kann ich mit dem Text im Hier und Jetzt umgehen? Ich blieb gleich mal in der Holle hängen, das geht ja vielen so: Hölle 3. Gesang „Dies Jammervolk das niemals lebend war, War nackend und von Flieg und Wesp umflogen, Und ward gestachelt viel und immerdar. Tränen und Blut aus ihren Wunden zogen In Streifen durch das Antlitz bis zum Grund, Wo ekle Würmer draus sich Nahrung sogen.“ Nahe Zukunft, irgendwo.  Die Formalitäten hatte sie also erledigt. Nun gab es kein Zurück. „O Gott“, dachte sie. „Kein Zurück. So war es nun, das Ende? Aber vielleicht…“ Sie hob ihren Rucksack auf und nahm die Plastiktaschen links und rechts in die Hände. „Es ist der letzte Wagen links. Den können Sie nicht verfehlen“, rief der feiste, verschwitzte Mann hinter ihr her. Die Tür fiel ins Schloss. Es war schwül, Ende August. Ihre Turnsch...

Überlegung zu Aphorismus von Lichtenberg

Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbuch C 158: Es war ihm unmöglich, die Wörter nicht in dem Besitz ihrer Bedeutungen zu stören. Er störte immer und überall, das wusste sie natürlich schon. Aber, dass er auch Wörter störte, war ihr neu. Dieser Satz stand plötzlich da. Auf einem Zettel, in ihrer Tasche hatte er gelegen und es wurde darin festgestellt, dass es ihm unmöglich war, die Wörter nicht zu stören, jedenfalls war das so ungefähr der Sinn. Er störte natürlich nicht die Wörter selbst, dazu waren die Wörter auch stets zu fest und zu klar. Suppe, zum Beispiel, die hatte fünf Buchstaben. Die Zahl Fünf wiederum ist zwar eine Primzahl und die sind, wie man weiß, etwas heikel und manchmal kapriziös, aber sonst ist die Fünf eine durchaus angenehme Zahl. Was sich durch Fünf teilen lässt, ist gut, von vornherein. Und dann noch die Fünf mal Fünf, es ist so rund und glatt. Aber genug, sie ließ sich schließlich nicht gehen und schweifte ein wenig ab. Also eine Suppe, die ließ sich nic...

Der Bäcker fehlt mir

Wenn im Stadtteil Geschäfte schließen, dann gehört das dazu. Trotzdem möchte man liebgewordene Anblicke und auch häufig frequentierte Geschäfte gerne behalten. Wenn ein Laden schließt, weil der Inhaber in Ruhestand geht und kein Nachfolger gefunden werden konnte, wenn Start-Ups mit neuen modischen Konzepten nach einem kurzen Hype wieder schließen müssen, ist das schade, aber so ist es eben. Wenn jedoch ein Geschäft schließt, weil der Inhaber, Meister plötzlich gestorben ist, ist die Traurigkeit doch eine andere. Ein Mensch ist tot und hinterlässt eine Lücke. Ich habe ein Alter erreicht, in dem mir manche Veränderungen Angst machen. Wenn ich früher Veränderungen als unbequem angesehen habe, mir aber weniger Gedanken über das Wie und Warum gemacht habe, ist das heute durchaus anders. Der Donut Laden auf der unteren Berger Straße, bei dem ich von Beginn an wusste, dass die Halbwertszeiten für derartige Modeerscheinungen so ein bis zwei Jahre betragen, machte im Herbst 2014 dicht. W...

Plattitüden oder das musste mal gesagt werden!

Seit Anbeginn der Zeit hat jeder sein Päckchen zu tragen. Aber wer A sagt, muss auch B sagen. Vielleicht muss man dabei eine Kröte schlucken, aber davon sollte man sich nicht die Laune verhageln lassen. Am besten macht man sich auf zu neuen Ufern, auch wenn sich dort andere die Klinke in die Hand geben. Manchmal wird einem vielleicht die kalte Schulter gezeigt oder auch das Blaue vom Himmel versprochen. Dennoch muss man dabei nicht gleich Rot sehen. Man bleibt nicht automatisch im Regen stehen. Denn viele wissen, dass, wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen darf. Es muss einfach noch mehr Wasser den Bach hinunterfließen. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Das gilt natürlich auch umgekehrt. Niemand sollte wie ein begossener Pudel dastehen, denn eine Krähe pickt der anderen kein Auge aus. Es gilt das Motto: Jetzt wird in die Hände gespuckt und das Glück am Schopfe gepackt. Dann wird sich das Tor zu einer neuen Welt öffnen und der Himmel hängt voller Geigen.