Die Kaffeemaschine
Eine Aufgabe aus einer Schreibwerkstatt. Das Ende der Geschichte sollte ein "Ach" sein:
Als sie morgens aufstand, war die Kaffeemaschine, sie hatte den schönen Namen Mariposa, kaputt. Einfach über Nacht kaputtgegangen. „Ach“, dachte sie, „wie blöd. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich früher aufgestanden, denn dann hätte ich noch Zeit gehabt, mir vor der Arbeit im Coffeeshop einen Kaffee zu holen.“ Doch wie hätte sie das wissen können. „Ach was“, dachte sie weiter, „ist mir doch egal. Ich gehe trotzdem dort vorbei und gönne mir einen ganz leckeren koffeinfreien Latte Macchiato, grande, natürlich. Dann komme ich eben etwas zu spät.“
Und so machte sie es auch.
Sonst verlief der Tag ohne Probleme. Sie konnte tatsächlich ihre Arbeit so erledigen, wie sie es geplant hatte. Es gab keine ungewöhnlichen Anrufe, die ein sofortiges Eingreifen ihrerseits nach sich gezogen hätten. Sie konnte ihr Projekt in Ruhe bearbeiten. Sämtliche Ansprechpartner waren zu erreichen. „Ach, das ist ja ein erstaunlicher Tag“, freute sie sich.
Als sie am Abend nach Hause wollte, fiel ihr ein, dass ihre Kaffeemaschine kaputt war. „Ach, verflixt, was mache ich nun?“ fragte sie sich. Der Coffeeshop lockte sie, aber der Kaffee dort war teuer. Sie hatte keine Lust, eine Kaffeemaschine zu kaufen. Hatte sie nicht heute einen perfekten Tag erlebt? Perfekt? O ja, er war so perfekt gewesen, vor diesem Tag, hatte sie sich nicht einmal vorstellen können, dass ein Tag im Büro so verlaufen könnte. „Fast ein bisschen unheimlich, finde ich.“ So flüsterte sie sich zu. „Ach, habe ich es jetzt verschrien?“ Sie ging nach Hause. Und als sie sich später in ihre Decken kuschelte, schlief sie auch sofort ein.
Als sie aufwachte, hatte zwar der neue Tag schon begonnen, doch bis der Wecker klingelte waren es noch Stunden. Sie fühlte sich seltsam. Im Halbschlaf stand sie auf und ging in die Küche. Sie hätte nicht sagen können, warum. Aber etwas zog sie dorthin. Ihre Küche glänzte und leuchtete, nicht grell, sondern warm und sanft. Sie kam sich vor als würde sie in weiche warme Kissen sinken. Sie sah zur Kaffeemaschine. Sie hatte sich verwandelt, sie war gewachsen. Der Glanz, der die Küche erleuchtete und mit Wärme füllte, ging von ihr aus. Hellblaue Lichter begannen zu leuchten: „Guten Morgen, welchen Kaffee kann ich Dir liefern? Ich kann Dir jeden Kaffee von allen Kaffeehäusern der Welt bringen.“ Hatte sie wirklich richtig gehört? Ihre Kaffeemaschine konnte sprechen und konnte ihr jeden Kaffee weltweit liefern? „Was kostet das und wie lange dauert das?“ Das waren wohl die wichtigsten Fragen. „Kosten? Du hast mich doch bezahlt, als Du mich vor fünf Jahren gekauft hast! Und bis der Kaffee da ist, dauert es zwischen einer und fünf Minuten, die übliche Zeit.“ „Ach was?“ Sie konnte es kaum glauben. Da hörte sie ein Kichern aus der Richtung ihrer alten, neuen Kaffeemaschine. „Du machst ein Gesicht. Also wirklich, meine Kolleginnen haben mich vorgewarnt, dass das passieren kann. Du hast das Kleingedruckte in der Anleitung nicht gelesen! Es dauert seine Zeit, aber es wird garantiert, dass ich mich verwandele, wenn ich gut gepflegt werde. Das hast Du getan. Du hast mich mit wertvollem Kaffeemehl gefüllt und immer rechtzeitig entkalkt. Wenn Du in den Urlaub gefahren bist, hast Du den Stecker gezogen. Nun habe ich mich verwandelt und Du kannst endlich alle Sorten Kaffee genießen.“ Die Kaffeemaschine machte eine kurze Pause. Neckisch, war der Begriff, der ihr dazu einfiel. „Wie wäre es mit einem Espresso von Giovanni in Siena?“ Sie erstarrte: „Ach?“