Ein Spaziergang

Als ich aus dem Haus ging, steckte ich mir die Kopfhörer in die Ohren. Ich drückte fest, mit einem leisen Plopp schmiegten sie sich in meine Ohrmuscheln. Die Töne der Welt waren verstummt. Als U2 mit dem Dylan-Song „All along the watchtower“ begann, lief ich los. Ich lief Richtung Westen. Ich wollte nicht in die Dunkelheit gehen, sondern in den Tag. Ich lief aus Frankfurt hinaus, den Main entlang zum Rhein. The Bird and the Bee spielten „Diamond Dave“. Es ging gut voran und ich bekam Lust, auch ein wenig mitzusingen. Im Rheingau hörte ich deshalb MIA und „Mein hungriges Herz“. Weil die Sonne so warm schien, sang ich  bei Rammsteins „Sonne“ laut mit. Ich lief weiter, ich lief schneller. Es ging Richtung Frankreich. Als ich die Grenze nach Frankreich passierte, suchte ich mir „Voilà l’été“ von Les Negresses Vertes aus, machte dann weiter mit Black Sabbath und „Planet Caravan“, weil das so schön groovt und eher untypisch für die Hard Rocker ist. Aber wenn ich schon dabei war, wollte ich auch noch „Paranoid“ hören. Ich lief schneller. Mit Run DMC und „It’s like that“ ging es noch besser und ich kam so richtig in Schwung. Das Laufen gen Westen durch Frankreich fühlte sich gut an. Die Atlantikküste erschien schon vor mir und ich sah im Süden Spanien. Deswegen suchte ich mir eine Platte von Rosana heraus und hörte mir „Lunas Rotas“ an. Ich ging nicht mehr zurück auf das Festland. Es ging weiter über den Atlantik. Ein bisschen bedauerte ich, nicht durch Portugal gekommen zu sein. Aber trotzdem hörte ich mir einen Fado von Mísia an. Dann beeilte ich mich, ich wollte nicht langsamer sein als die Sonne. Ich wollte am Tag in Amerika ankommen. Ich ging auch deswegen schneller, weil es über dem Meer langweilig war. Ich vertrieb mir die Zeit mit Patty Moons „Under the wolfskin“ und eilte mit The Mission weiter, ich hörte „Burlesque“ und „Cocoon“, um dazwischen auch wieder ein ruhigeres Stück zu hören. Zur Ankunft in den USA entschied ich, Frank Zappas „St. Alfonso’s Pancake Breakfast“ aufzulegen. Unter mir war Maine, südlich davon New York. Ich eilte schnell weiter. Nine Inch Nails trieben mich mit „Sin“ vorwärts, aber auch die Killers mit „Joyride“ und so gelangte ich an die Westküste. West Coast, da überlegte ich nur kurz und hörte mir „Ghosts“ von Dan Fogelberg an, auch wenn ich unter mir nicht Kalifornien, sondern Oregon sah. Ich lief aber schnell weiter über den Pazifik, mit Jefferson Airplane und „White Rabbit“ und hörte dann noch die Red Hot Chili Peppers. Ich machte mir nun ein wenig Sorgen, mit welcher Musik ich in Japan weitermachen sollte. Doch bei David Bowie und „Space Oddity“, wusste ich, die Erde ist zu klein für mich. Bevor ich noch die Datumsgrenze erreichte lief ich hinauf zum Mond, Sting spielte für mich „Sister Moon“. Ich lief weiter und weiter, ließ auch den Mond links liegen. Ich lief hinein in das Zentrum unseres Sonnensystems, ich lief weiter und hindurch, an schwarzen Löchern vorbei, an Geburten von Planeten, am Verglühen von Sonnen. In meinen Ohren brandete Richard Strauß auf. Ich wusste, dass ich zwar nie ankommen würde, aber endlich wusste ich, wohin ich wollte. Weiter.

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