Schreiben kann so leicht sein

Eine kurze Geschichte

Alles vorbereitet. Heute beginnt mein Leben als Schriftstellerin. Eine Woche Urlaub genommen. Der Wecker hat um 8 geläutet. Noch ein wenig liegen geblieben. Kaffee gekocht. An den Schreibtisch gesetzt und den neuen Block bewundert. Mit dem neuen Füller, ls und ms auf das Blatt geschrieben. Die königsblaue Tinte sieht sehr schön aus. Ein paar Bleistifte angespitzt.

Aufgestanden und ein wenig aus dem Fenster geschaut. Der Kaffeebecher ist schon wieder leer. In der Küche Kaffee geholt. Ein kleines Hungergefühl im Bauch. Wieder in die Küche und ein paar Cornflakes gegessen. Wieder Kaffee gekocht. Zwei Ideen für den Titel gehabt. Den Bucheinband vorgestellt. Titel klingen zu sehr nach Frauenroman. Titel wieder durchgestrichen. Blätter weggeworfen. Eingefallen, dass heute die Müllabfuhr kommt. Schnell die Mülltonnen rausgestellt und danach noch ein bisschen Blumen gegossen, ein kurzer Plausch mit der Nachbarin. Konnte gar nicht glauben, dass ich nun angefangen habe, zu schreiben. Wollte gleich etwas lesen von mir. Wieder ins Arbeitszimmer gegangen, an den Schreibtisch gesetzt. Kaffee getrunken. Kaffee war schon kalt. Langsam Hungergefühl bekommen. Nur kurz auf einen kleinen Imbiss das Haus verlassen.

Geistesblitz beim Italiener, gleich nach Hause zum Aufschreiben. Idee ist anscheinend beim Italiener geblieben. Den leeren Block angestarrt. Noch ein paar Buntstifte angespitzt. Vielleicht doch besser auf dem Computer schreiben als auf dem weißen Block. Computer hochgefahren. Minesweeper entdeckt, nur eine kleine Pause, über die Minen geärgert, zur Beruhigung Solitär gespielt. Kaffee gekocht. Milch alle. Etwas kalt geworden. Socken angezogen. Entdeckt, dass gewaschen werden muss. Eine Maschine Wäsche gewaschen. Dazwischen, zur Ablenkung ein wenig ferngesehen. Mitgelitten, wie Maria sich nach ihrem Fernando verzehrt. Einfall für das Ende des Buches gehabt. Im Wohnzimmer weder Stift noch Zettel gehabt. Endlich einen Stift gefunden, doch die Sätze waren nicht mehr da. Wäsche aufgehängt. Kaffee gekocht. An den Schreibtisch gesetzt. Ersten Satz geschrieben. Nochmal gelesen, geändert. Nochmal gelesen, gelöscht. Telefon geklingelt, die Mutter nach einer Stunde abgewimmelt. Kaffee getrunken. Sonnenuntergang bewundert. Mann nach Hause gekommen, musste von seinem anstrengenden Tag im Büro reden, völlig erschöpft ins Bett gefallen. Die Schriftstellerei ist hart, aber auch sehr erschöpfend, freue mich auf meinen nächsten Arbeitstag.

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