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Der Bäcker fehlt mir

Wenn im Stadtteil Geschäfte schließen, dann gehört das dazu. Trotzdem möchte man liebgewordene Anblicke und auch häufig frequentierte Geschäfte gerne behalten. Wenn ein Laden schließt, weil der Inhaber in Ruhestand geht und kein Nachfolger gefunden werden konnte, wenn Start-Ups mit neuen modischen Konzepten nach einem kurzen Hype wieder schließen müssen, ist das schade, aber so ist es eben. Wenn jedoch ein Geschäft schließt, weil der Inhaber, Meister plötzlich gestorben ist, ist die Traurigkeit doch eine andere. Ein Mensch ist tot und hinterlässt eine Lücke. Ich habe ein Alter erreicht, in dem mir manche Veränderungen Angst machen. Wenn ich früher Veränderungen als unbequem angesehen habe, mir aber weniger Gedanken über das Wie und Warum gemacht habe, ist das heute durchaus anders. Der Donut Laden auf der unteren Berger Straße, bei dem ich von Beginn an wusste, dass die Halbwertszeiten für derartige Modeerscheinungen so ein bis zwei Jahre betragen, machte im Herbst 2014 dicht. W...

Plattitüden oder das musste mal gesagt werden!

Seit Anbeginn der Zeit hat jeder sein Päckchen zu tragen. Aber wer A sagt, muss auch B sagen. Vielleicht muss man dabei eine Kröte schlucken, aber davon sollte man sich nicht die Laune verhageln lassen. Am besten macht man sich auf zu neuen Ufern, auch wenn sich dort andere die Klinke in die Hand geben. Manchmal wird einem vielleicht die kalte Schulter gezeigt oder auch das Blaue vom Himmel versprochen. Dennoch muss man dabei nicht gleich Rot sehen. Man bleibt nicht automatisch im Regen stehen. Denn viele wissen, dass, wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen darf. Es muss einfach noch mehr Wasser den Bach hinunterfließen. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Das gilt natürlich auch umgekehrt. Niemand sollte wie ein begossener Pudel dastehen, denn eine Krähe pickt der anderen kein Auge aus. Es gilt das Motto: Jetzt wird in die Hände gespuckt und das Glück am Schopfe gepackt. Dann wird sich das Tor zu einer neuen Welt öffnen und der Himmel hängt voller Geigen.

Grenzüberschreitungen

Sie atmete einmal tief ein und langsam wieder aus. Jetzt war es soweit. Schon seit Wochen war sie jeden Tag ins Museum gegangen und hatte sich die bestickten Damenstiefel angesehen. Hatte sich vorgestellt, wer sie getragen hatte, mit welchem Kleid. Wie teuer sie wohl gewesen waren. Die Blumen waren so kunstvoll gestickt in rot, gelb und blau. Zarte Blüten auf zartem Gewebe. Die Absatzhöhe war perfekt, fand sie. Nicht diese High Heels, die die modischen Frauen zur Zeit so gerne trugen. Aber auch nicht so flach wie Turnschuhe. Vorne waren in die Schuhe Seidenbänder eingeflochten. Es war ihre Größe. Da war sie sich sicher.  Jetzt.  Sie war allein im Raum. Im Historischen Museum gab es keine Kameras. Sie griff hinter die Glasscheibe und zog die Stiefel heraus. Rollte sie vorsichtig ein und steckte sie in ihre tiefen Manteltaschen. Sie wagte kaum aufzuschauen, als sie rasch das Museum verließ. Draußen setzte sie sich gleich auf eine Bank, streifte ihre Flipflops ab und zog die...

Dennoch

Anfänge sind manchmal schwierig. Welchen Anfang soll man wählen, damit der Leser neugierig wird.  Hier also ein Versuch, ein Übung aus der Schreibwerkstatt mit "dennoch" zu beginnen. Dennoch gehe ich heute abend wieder in mein Stammlokal. Eigentlich hielt ich es nicht aus. Sie war unmöglich. Sie brachte mich in Rage. Ich konnte meinen Mund nicht halten. Es war kalt, als ich das erste Mal die Tür öffnete. Es war ein dunkler Nachmittag im November. Ich brauchte einen heißen Grog. Seit zwei Tagen jobbte ich an Horsts Gemüsestand und ich konnte meine Finger kaum noch spüren. Margit lächelte mich an, als ich hereinkam. Sie redete nie viel. Sie brachte mir den bestellten Grog und kam mir wie ein Engel vor. Auch wann ich dafür einen halben Stundenlohn zahlen musste. Seit diesem Tag hatte ich eine Freundin, eine Vertraute. Komisch, dabei lächelte sie mich nie wieder so an, wie an diesem ersten Tag. Wenn ich etwas erzählte, nickte sie manchmal, meistens sagte sie, "ach was, ...

Radfahrer, das fremde Wesen

Was in den Köpfen vieler Radfahrer wohl so vor sich gehen mag? Ich verstehe die meisten, also besser, die, die mir Tag für Tag unangenehm auffallen, nicht. Gerade, wenn man meist als Fußgänger oder mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, wundert und ärgert man sich. Müßig ist es, zu fragen, warum rote Ampeln für die meisten Radfahrer nicht gelten. Selbst diejenigen, die dann auch noch einen Kindersitz draufgeschnallt haben, rasen über Zebrastreifen und rote Ampeln. Regelmäßig erschrecken sich Fußgänger fast zu Tode und hüpfen wie die Hasen, wenn man beim Überqueren der Straße, am Zebrastreifen oder auch bei Grün an der Fußgängerampel von einem hinter den wartenden Autofahrern hervorschießenden Radler fast umgefahren wird. Slalom durch die Fußgängerzone oder auch das gerne praktizierte in der falschen Richtung auf dem Radweg Fahren, sind für Fußgänger noch die kleineren Probleme. Die dauerhafte Benutzung der Bürgersteige trifft mittlerweile auf Fußgänger, die sich in ihr Schic...

Von echten Büchern und Eselsohrenknickern

Eigenartig, mal wieder ein echtes Buch gelesen, also eines, das gedruckt wurde. Zum Blättern musste ich die Seiten anfassen. War gar nicht so schlecht. Habe danach sofort ein Weiteres zur Hand genommen und aufgeschlagen. Ich kann’s noch! Doch ich habe das Buch in der Stadtbücherei ausgeliehen und dabei ganz vergessen, was mich früher schon an den geliehenen Büchern gestört hat, dass die Vorleser (in diesem Fall diejenigen, die das Buch vor mir ausgeliehen und gelesen haben) bei geliehenen Büchern Eselsohren zur Markierung der Leseposition einknicken. Ich verstehe diese Unart schon grundsätzlich nicht, aber jeder kann ja mit seinen Büchern das machen, was er möchte, jedoch nicht mit einem geliehenen Buch. Schließlich wurden doch Lesezeichen erfunden und man kann auch selbst viele Dinge zum Lesezeichen umfunktionieren, wobei ich aber nicht übriggebliebene Salamischeiben meine, aber vielleicht ist das Eselsohrknickern zuzutrauen. Das Buch selbst war etwas mysteriös. „Das Seil“ von...

Bäckergeschichten

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Morgens beim Bäcker. Es gibt keine Eierweck. Stattdessen wird mir ein Rosinenbrötchen oder ein Schokobrötchen angeboten. Ernsthaft, damit kann man doch kein Eierweck ersetzen. Wenn ich so etwas wollte, hätte ich es bestellt. Meiner Meinung nach sind Rosinenbrötchen so überflüssig wie ein Kropf, diese seltsamen getrockneten Trauben erinnern mich an Maden und die esse ich auch nicht. Und von diesen komischen braunen Dinger, die in Schokobrötchen eingebacken werden und mit Schokolade so viel gemeinsam haben, wie ein Goldfisch mit Gold... Aber weil so schönes Frühlingswetter ist, stört es auch nicht weiter. In der Büroschublade finde ich noch einen Keks oder etwas, das so ähnlich ist wie ein Keks.