Das Herz - Teil 2
Philomena hingegen setzte unbehelligt ihre Wanderung fort. Der Weg führte sie den Berg hinauf. Weiter oben konnte sie einen Höhleneingang erkennen. Da wusste sie es. Dorthin musste sie, das ist das Ziel. Doch auf einmal hörte sie hinter sich Hunde bellen. Sie kamen immer näher. Philomena konnte über sich die Höhle sehen, das Ziel in Augennähe, doch die Hunde rückten näher. "Die laufen schneller als ich. Das ist mein Ende, zum Weglaufen ist es zu spät", sie blickte auf ihre Finger, dazwischen hatte sie noch den Stofffetzen aus der Jacke des Mannes. Sie schüttelte ihn ab. Traurig blieb Philomena stehen. So wollte sie die Hunde erwarten, deren Gebell immer lauter und wütender zu ihr schallte. Da erhoben sich dichte Stoffbahnen von der Erde und hüllten sie ein, es wurde dunkel. Nur von oben fiel das Licht auf sie. Die Hunde bellten immer aggressiver, doch der dicke Stoff schützte sie, dumpf klang das Gebell der Hunde. Die Hunde ließen jedoch nicht ab. Aber Philomena hatte sich etwas gefasst und ihr kam eine Idee, sie griff sich die Brust, sie tastete vorsichtig, dann griff sie so fest zu, wie sie konnte, eine Rippe brach ab. Triumphierend hob sie den Knochen hoch und warf ihn mit Schwung so weit, wie sie konnte. Sie lauschte. Das Gebell der Hunde brach plötzlich ab, aber nur kurz, dann begann es wieder. Aber es wurde immer leiser, bis sie es nur noch in der Ferne hörte und danach war es still. Sogleich begannen sich die Stoffbahnen zu senken. Philomena konnte über die Stoffe steigen und ihren Weg fortführen. Unbehelligt gelangte sie nun in die Höhle.
Hinten sah sie auf einem Felsabsatz eine Karaffe, in der eine Flüssigkeit in allen Farben des Regenbogens leuchtete. Sie erkannte es. Sie hatte ihr Selbst gefunden. Sie griff nach der Karaffe und goss sich ohne zu zögern den Inhalt über den Schädel. Es kribbelte, sie lachte, es war soweit, Philomena, das Skelett, wurde überzogen mit Fleisch und Haut. Das Herz begann in ihr zu schlagen. Nun war sie ein Mensch.