Geschichten aus dem Untergrund

Eine ältere Dame spricht mich am Abend in einer U-Bahn-Station an, während ich warte. Aus dem Augenwinkel habe ich sie wahrgenommen. Sie fragt micht sicher nach der Richtung, in die sie fahren muss. "Können Sie mir vielleicht 70 Cent schenken?" fragt sie. Ich bin verwirrt, das hätte ich nicht erwartet, dennoch bekommt sie die Standardantwort auf derartige Ansinnen, egal von wem sie an mich gestellt werden. "Nein!" ich wende mich ab.

Eine Woche später sitze ich am Abend in derselben Station. Ein junger Mann mit einem Gipsarm kommt und setzt sich in meine Nähe. Da tritt wieder die Dame hinzu und fragt den jungen Mann: "Können Sie mir 70 Cent schenken?" "Wieso? Haben Sie keine Rente?" "Doch, aber die reicht nicht. Es ist nichts auf dem Konto. Da kommt erst morgen was drauf. Ich mache das hier doch nicht zum Vergnügen. Es ist ganz schön schwer." Mir fallen hierzu noch einige Fragen an, aber der Mann hat seine Entscheidung getroffen. "Gut, ich gebe Ihnen etwas." Er zückt sein Portemonnaie. Nun ist das Geschäftliche erledigt und die Dame fragt: "Was haben Sie eigentlich gemacht? Muss ganz schön schwer sein, mit so einem Gipsarm."

Das Gespräch geht weiter, doch ich bleibe verwirrt, in meinen Gedanken verirrt, zurück.

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