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Dante und die göttliche Komödie

Dante Alighieri, zum 750. Geburtstag. Dieser liegt 1265 zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Und wir fragten uns in unserer Schreibwerkstatt, wie kann ich mit dem Text im Hier und Jetzt umgehen? Ich blieb gleich mal in der Holle hängen, das geht ja vielen so: Hölle 3. Gesang „Dies Jammervolk das niemals lebend war, War nackend und von Flieg und Wesp umflogen, Und ward gestachelt viel und immerdar. Tränen und Blut aus ihren Wunden zogen In Streifen durch das Antlitz bis zum Grund, Wo ekle Würmer draus sich Nahrung sogen.“ Nahe Zukunft, irgendwo.  Die Formalitäten hatte sie also erledigt. Nun gab es kein Zurück. „O Gott“, dachte sie. „Kein Zurück. So war es nun, das Ende? Aber vielleicht…“ Sie hob ihren Rucksack auf und nahm die Plastiktaschen links und rechts in die Hände. „Es ist der letzte Wagen links. Den können Sie nicht verfehlen“, rief der feiste, verschwitzte Mann hinter ihr her. Die Tür fiel ins Schloss. Es war schwül, Ende August. Ihre Turnsch...

Überlegung zu Aphorismus von Lichtenberg

Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbuch C 158: Es war ihm unmöglich, die Wörter nicht in dem Besitz ihrer Bedeutungen zu stören. Er störte immer und überall, das wusste sie natürlich schon. Aber, dass er auch Wörter störte, war ihr neu. Dieser Satz stand plötzlich da. Auf einem Zettel, in ihrer Tasche hatte er gelegen und es wurde darin festgestellt, dass es ihm unmöglich war, die Wörter nicht zu stören, jedenfalls war das so ungefähr der Sinn. Er störte natürlich nicht die Wörter selbst, dazu waren die Wörter auch stets zu fest und zu klar. Suppe, zum Beispiel, die hatte fünf Buchstaben. Die Zahl Fünf wiederum ist zwar eine Primzahl und die sind, wie man weiß, etwas heikel und manchmal kapriziös, aber sonst ist die Fünf eine durchaus angenehme Zahl. Was sich durch Fünf teilen lässt, ist gut, von vornherein. Und dann noch die Fünf mal Fünf, es ist so rund und glatt. Aber genug, sie ließ sich schließlich nicht gehen und schweifte ein wenig ab. Also eine Suppe, die ließ sich nic...

Der Bäcker fehlt mir

Wenn im Stadtteil Geschäfte schließen, dann gehört das dazu. Trotzdem möchte man liebgewordene Anblicke und auch häufig frequentierte Geschäfte gerne behalten. Wenn ein Laden schließt, weil der Inhaber in Ruhestand geht und kein Nachfolger gefunden werden konnte, wenn Start-Ups mit neuen modischen Konzepten nach einem kurzen Hype wieder schließen müssen, ist das schade, aber so ist es eben. Wenn jedoch ein Geschäft schließt, weil der Inhaber, Meister plötzlich gestorben ist, ist die Traurigkeit doch eine andere. Ein Mensch ist tot und hinterlässt eine Lücke. Ich habe ein Alter erreicht, in dem mir manche Veränderungen Angst machen. Wenn ich früher Veränderungen als unbequem angesehen habe, mir aber weniger Gedanken über das Wie und Warum gemacht habe, ist das heute durchaus anders. Der Donut Laden auf der unteren Berger Straße, bei dem ich von Beginn an wusste, dass die Halbwertszeiten für derartige Modeerscheinungen so ein bis zwei Jahre betragen, machte im Herbst 2014 dicht. W...

Plattitüden oder das musste mal gesagt werden!

Seit Anbeginn der Zeit hat jeder sein Päckchen zu tragen. Aber wer A sagt, muss auch B sagen. Vielleicht muss man dabei eine Kröte schlucken, aber davon sollte man sich nicht die Laune verhageln lassen. Am besten macht man sich auf zu neuen Ufern, auch wenn sich dort andere die Klinke in die Hand geben. Manchmal wird einem vielleicht die kalte Schulter gezeigt oder auch das Blaue vom Himmel versprochen. Dennoch muss man dabei nicht gleich Rot sehen. Man bleibt nicht automatisch im Regen stehen. Denn viele wissen, dass, wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen darf. Es muss einfach noch mehr Wasser den Bach hinunterfließen. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Das gilt natürlich auch umgekehrt. Niemand sollte wie ein begossener Pudel dastehen, denn eine Krähe pickt der anderen kein Auge aus. Es gilt das Motto: Jetzt wird in die Hände gespuckt und das Glück am Schopfe gepackt. Dann wird sich das Tor zu einer neuen Welt öffnen und der Himmel hängt voller Geigen.

Grenzüberschreitungen

Sie atmete einmal tief ein und langsam wieder aus. Jetzt war es soweit. Schon seit Wochen war sie jeden Tag ins Museum gegangen und hatte sich die bestickten Damenstiefel angesehen. Hatte sich vorgestellt, wer sie getragen hatte, mit welchem Kleid. Wie teuer sie wohl gewesen waren. Die Blumen waren so kunstvoll gestickt in rot, gelb und blau. Zarte Blüten auf zartem Gewebe. Die Absatzhöhe war perfekt, fand sie. Nicht diese High Heels, die die modischen Frauen zur Zeit so gerne trugen. Aber auch nicht so flach wie Turnschuhe. Vorne waren in die Schuhe Seidenbänder eingeflochten. Es war ihre Größe. Da war sie sich sicher.  Jetzt.  Sie war allein im Raum. Im Historischen Museum gab es keine Kameras. Sie griff hinter die Glasscheibe und zog die Stiefel heraus. Rollte sie vorsichtig ein und steckte sie in ihre tiefen Manteltaschen. Sie wagte kaum aufzuschauen, als sie rasch das Museum verließ. Draußen setzte sie sich gleich auf eine Bank, streifte ihre Flipflops ab und zog die...

Dennoch

Anfänge sind manchmal schwierig. Welchen Anfang soll man wählen, damit der Leser neugierig wird.  Hier also ein Versuch, ein Übung aus der Schreibwerkstatt mit "dennoch" zu beginnen. Dennoch gehe ich heute abend wieder in mein Stammlokal. Eigentlich hielt ich es nicht aus. Sie war unmöglich. Sie brachte mich in Rage. Ich konnte meinen Mund nicht halten. Es war kalt, als ich das erste Mal die Tür öffnete. Es war ein dunkler Nachmittag im November. Ich brauchte einen heißen Grog. Seit zwei Tagen jobbte ich an Horsts Gemüsestand und ich konnte meine Finger kaum noch spüren. Margit lächelte mich an, als ich hereinkam. Sie redete nie viel. Sie brachte mir den bestellten Grog und kam mir wie ein Engel vor. Auch wann ich dafür einen halben Stundenlohn zahlen musste. Seit diesem Tag hatte ich eine Freundin, eine Vertraute. Komisch, dabei lächelte sie mich nie wieder so an, wie an diesem ersten Tag. Wenn ich etwas erzählte, nickte sie manchmal, meistens sagte sie, "ach was, ...

Radfahrer, das fremde Wesen

Was in den Köpfen vieler Radfahrer wohl so vor sich gehen mag? Ich verstehe die meisten, also besser, die, die mir Tag für Tag unangenehm auffallen, nicht. Gerade, wenn man meist als Fußgänger oder mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, wundert und ärgert man sich. Müßig ist es, zu fragen, warum rote Ampeln für die meisten Radfahrer nicht gelten. Selbst diejenigen, die dann auch noch einen Kindersitz draufgeschnallt haben, rasen über Zebrastreifen und rote Ampeln. Regelmäßig erschrecken sich Fußgänger fast zu Tode und hüpfen wie die Hasen, wenn man beim Überqueren der Straße, am Zebrastreifen oder auch bei Grün an der Fußgängerampel von einem hinter den wartenden Autofahrern hervorschießenden Radler fast umgefahren wird. Slalom durch die Fußgängerzone oder auch das gerne praktizierte in der falschen Richtung auf dem Radweg Fahren, sind für Fußgänger noch die kleineren Probleme. Die dauerhafte Benutzung der Bürgersteige trifft mittlerweile auf Fußgänger, die sich in ihr Schic...